Suche:
 

Pressemitteilung / Detailansicht

Feuerwehrleute proben den Ernstfall

Montag, 01. Januar 2007

Speyer. Die menschengroße Puppe liegt unbeschadet auf dem Bett; sie ist genauso unversehrt wie der Schrank, der Tisch und die Stühle, die sich im Zimmer befinden. Auch die anderen Räume der Anlage wirken friedlich und unspektakulär. Doch das ändert sich schnell, denn in diesem Container mit Übungspuppe und Möbeln werden Zimmer- und Kellerbrände inszeniert. Und Feuerwehrmänner können hier, was bis dato kaum eine andere Ausbildungsmethode gewährleistet, unter nahezu realistischen Bedingungen Einsätze trainieren. Hier bedeutet: auf dem Gelände der Riber-Pray-Kaserne an der Kreisstraße 2 im Reffenthal bei Speyer.

Das so genannte Heißausbildungs- und Trainingszentrum des Betreibers „FeuReX“ aus dem bayerischen Oberhausen wurde am Samstag offiziell eröffnet. Auf der Gedenktafel, die Geschäftsführer Karl Perr enthüllte, steht geschrieben: „Einen Feuerwehrmann gewinnen dauert Jahre, einen Feuerwehrmann verlieren dauert Sekunden.“ Der Spruch sei in kleinem Maßstab bei jedem Einsatz anwendbar, sagte Karl Perr. Dass Letzteres eintrifft, möchten neben Perr auch Otto Fürst und Josef Helpenstein verhindern. Fürst, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz, und Brandrat Helpenstein von der Katastrophenschutzschule des Landes, verweisen auf die Möglichkeiten, die sich mit dem Trainingszentrum bieten.
Die Ganztagesausbildung kostet übrigens 125 Euro – Theorie plus Praxis. Am 30. Juni wartet ein Schnuppertag. Die ersten Übungen sind kostenlos. „Wir können hier viele Situationen nachstellen“, sagt Uwe Hörner, Supervisor bei „FeuReX“. In Bayern, wo das erste und bis dato einzige Heißausbildunsgzentrum in Deutschland steht, sie die Sache „super angenommen“ worden. Rund 50.000 Euro kostet die Anlage im Reffenthal, hinzu kommt die Finanzierung der Schutzausrüstung – macht unter dem Strich eine Investition von 70.000 Euro. Und weil der Container so intensiv „befeuert“ wird, steht nach etwa zwei Jahren eine Generalüberholung an.
Wie die Trainingseinheiten im Innenbereich ablaufen, zeigt ein Zwei-Mann-Trupp an der frischen Luft – ohne Feuer – dafür aber mit sehr viel Wasser. „Sie öffnen die Tür, dringen ins Innere ein und checken die Temperatur“, kommentiert Uwe Hörner. Der Temperaturtest sei sehr wichtig, sonst gebe es viele Verletzte bei Einsätzen im „realen Leben“. „Ein Feuerwehrmann muss das immer können“, betont Hörner, „wenn ich ihn um drei Uhr nachts wecke, muss er diese typische Bewegung sofort draufhaben.“
Begleitet wird der Trupp stets von einem Ausbilder. Darüber hinaus zeichnen die Verantwortlichen den Vorgang auf. Zirka 15 Minuten dauert ein Übungslauf durch die Vier-Zimmer-Anlage. Dann sei das Atemschutzgerät leer und der Feherwehrmann ziemlich am Ende seiner Kräfte, erklärt Uwe Hörner. Die Auszubildenden sollen mit einem solchen Durchgang testen, wo ihre Belastungsgrenze liegt. Die zu rettende Puppe wird dabei übrigens nicht immer auf dem Bett liegen. „Damit sich die Kameraden nicht absprechen können“, so sagt Hörner.

Dateien:
fileadmin/doc/Mannheimer_Morgen_Feuerwehrleute_proben_den_Ernstfall.pdf